Die Heizmethoden in Deutschland könnten unterschiedlicher nicht sein: Während in Wilhelmshaven fast jeder Haushalt mit Gas heizt, setzt Flensburg fast vollständig auf Fernwärme und ist damit nahezu unabhängig von Gas. Das zeigt unsere Analyse der 150 größten Städte und ihrer gängigsten Heizarten: von Gas, Fernwärme, Heizöl, Holz und Kohle bis zu grünen Alternativen wie Wärmepumpen, Solarthermie, Biomasse und Biogas. Auffällig: In nordrhein-westfälischen Städten – allen voran Paderborn – kommen besonders häufig Wärmepumpen und Solarthermie zum Einsatz. In Schwäbisch-Gmünd dagegen wird deutlich öfter mit Heizöl geheizt – fast dreimal so häufig wie im Bundesdurchschnitt.
Heizgewohnheiten in Deutschland: Gas klar vorn
Rund 63,7 Prozent der Haushalte in Deutschland heizen mit Gas. Dahinter folgt Fernwärme mit 20,4 Prozent. Heizöl nutzen 10,3 Prozent, Strom 1,9 Prozent. Wärmepumpen und Solarthermie machen 1,8 Prozent aus, Holz 1,3 Prozent. Kohle liegt bei 0,15 Prozent, Biomasse und Biogas bei 0,06 Prozent.
Die Daten sind im Einzelnen nochmal hier aufgeschlüsselt:
NRW-Städte heizen am liebsten mit Wärmepumpen und Solarthermie
Paderborn liegt beim Einsatz von Wärmepumpen und Solarthermie ganz vorn: Im Schnitt nutzen 5,1 Prozent der Haushalte diese umweltfreundlichen Heizarten – Platz eins im Städtevergleich. Dahinter folgen Trier mit 4,8 Prozent und Bocholt mit 4,7 Prozent. Auch Euskirchen (4,5 Prozent) und Dormagen (4,4 Prozent) schaffen es in die Top fünf. Ganz anders sieht es am unteren Ende des Rankings aus: In Bremen, Offenbach am Main und Neubrandenburg liegt der Anteil gerade einmal bei 0,5 Prozent – in Flensburg und Wilhelmshaven sogar nur bei 0,4 Prozent.
Wärmepumpen und Solarthermie gehören zu den beliebtesten klimafreundlichen Alternativen zu fossilen Heizmethoden. Auch Biomasse und Biogas zählen dazu – werden allerdings deutlich seltener genutzt. Selbst der Spitzenreiter Ingolstadt kommt hier nur auf 1,1 Prozent. Bundesweit liegt der Durchschnitt bei gerade einmal 0,06 Prozent – damit sind Biomasse und Biogas die am seltensten genutzten nachhaltigen Heizformen.
Diese Städte setzen am stärksten auf erneuerbare Heizformen:
Gas bleibt die Nummer eins – mit teils riesigen Unterschieden
Trotz aller Alternativen ist Gas in Deutschland nach wie vor die meistgenutzte Heizart – auch wenn der Blick auf die Städte große Unterschiede zeigt. In Wilhelmshaven heizen ganze 94,7 Prozent der Haushalte mit Gas – Platz eins im Ranking. Oldenburg folgt mit 93,1 Prozent, dicht dahinter liegt Delmenhorst mit 89,5 Prozent. Auch Neuwied (87,1 Prozent) und Witten (84,9 Prozent) gehören zu den Städten mit dem höchsten Gasanteil. Ganz anders sieht es in Flensburg aus: Hier nutzen gerade einmal 4,3 Prozent Gas zum Heizen – das sind über 90 Prozent weniger als in Wilhelmshaven. Auch in Wolfsburg (6,9 Prozent) und Neubrandenburg (19,5 Prozent) spielt Gas nur eine Nebenrolle.
In diesen deutschen Städten wird primär Gas als Energiequelle genutzt:
Fernwärme top, Heizöl flop – je nach Stadt
Fernwärme ist mit über 20 Prozent bundesweit auf Platz zwei der Heizarten – in Flensburg sogar bei 93 Prozent. Auch Wolfsburg (81,2 Prozent) und Neubrandenburg (78,3 Prozent) liegen weit über dem Schnitt. Kaum eine Rolle spielt Fernwärme dagegen in Mönchengladbach und Rheine (je unter einem Prozent). Heizöl ist in Schwäbisch-Gmünd besonders verbreitet (28,1 Prozent) – in Rostock dagegen fast gar nicht (0,4 Prozent).
Regionale Ausreißer: Wo Kohle und Holz noch eine größere Rolle spielen
Kohle wird insgesamt nur noch selten als Energiequelle genutzt – bundesweit liegt ihr Anteil bei lediglich 0,15 Prozent. In einigen Städten ist sie jedoch noch vergleichsweise stark vertreten: In Dorsten nutzen 3,2 Prozent der Haushalte Kohle zum Heizen, in Heidelberg sind es 3,1 Prozent und in Herten 1,3 Prozent. Deutlich verbreiteter ist Holz als Energieträger: Bundesweit liegt der Anteil bei 1,3 Prozent, in einigen Städten jedoch deutlich darüber. Spitzenreiter ist Schwäbisch Gmünd mit 7,5 Prozent, gefolgt von Aalen (6 Prozent) und Villingen-Schwenningen (5,7 Prozent).
Die Tabelle veranschaulicht die prozentualen Anteile von Fernwärme, Heizöl, Holz und Kohle:
Heizen in Deutschland: Von Gashochburgen bis Holzregionen
Nordrhein-Westfalen liegt bei der Nutzung von Wärmepumpen und Solarthermie mit durchschnittlich 2,21 Prozent vorn – deutlich mehr als in anderen Bundesländern. Gleichzeitig ist der Gasverbrauch dort mit 70,67 Prozent besonders hoch. In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern dominiert hingegen Fernwärme: über 50 Prozent in Brandenburg, fast 70 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern.
Baden-Württemberg und Bayern stechen durch vergleichsweise hohe Werte bei Holzheizungen (jeweils rund 3 Prozent) sowie bei Biomasse und Biogas (über 0,1 Prozent) hervor. Heizöl spielt ebenfalls vor allem in diesen beiden Bundesländern sowie in Bremen noch eine größere Rolle – mit Anteilen von 15,78 Prozent (Baden-Württemberg), 13,8 Prozent (Bremen) und 13,67 Prozent (Bayern). Kohle ist zwar insgesamt kaum noch relevant, erreicht in Sachsen aber mit 0,42 Prozent den höchsten Wert im bundesweiten Vergleich.
Diese Karte zeigt alle Heizarten der deutschen Bundesländer:
Mehrkosten durch CO₂-Bepreisung: Wer fossil heizt, zahlt drauf
Das neue europäische Emissionshandelssystem (ETS-2) bringt sowohl für Vermieter als auch für Mieter von unsanierten Gebäuden erhebliche finanzielle Belastungen mit. Ab 2027 ersetzt das ETS-2 schrittweise den nationalen Emissionshandel (nEHS), sodass die CO₂-Bepreisung in diesen Bereichen künftig einheitlich auf EU-Ebene geregelt wird.
Um die finanziellen Auswirkungen für Mieter und Vermieter zu beziffern, haben wir die zusätzlichen Kosten mithilfe von unterschiedlichen CO₂-Preis-Szenarien und den dominierenden Heizarten Deutschlands errechnet.
Die Mehrkosten durch den Emissionshandel entstehen, indem der Energieverbrauch des Gebäudes mit dem jeweiligen Emissionsfaktor des Brennstoffs und dem geltenden CO₂-Preis multipliziert wird. So ergibt sich die jährliche Zusatzbelastung, die seit 2023 nach einem Stufenmodell zwischen Eigentümern und Mietern aufgeteilt wird: Je schlechter die energetische Qualität des Gebäudes, desto höher ist der Anteil, den die Vermieter tragen, bis zu 95 Prozent bei sehr ineffizienten Häusern. Bei energieeffizienten Gebäuden hingegen liegt die Hauptlast bei den Mietern. Eigenheimbesitzer tragen die Mehrkosten alleine.
Beim neuen Emissionshandelssystem (ETS-2) wird der CO₂-Preis durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Experten erwarten einen CO₂-Preis zwischen 100 und 250 Euro pro Tonne CO₂ bis 2030, ab 2040 könnte der Preis sogar auf bis zu 400 Euro steigen. Im nationalen Gesetz liegt der CO₂-Preis in diesem Jahr noch bei 45 Euro pro Tonne, 2026 soll er bereits auf 55 Euro pro Tonne ansteigen.
Für die Berechnung der finanziellen Auswirkungen der steigenden CO₂-Preise haben wir drei verschiedene Szenarien erstellt:
- Szenario I: 55 Euro/Tonne CO₂
- Szenario II: 160 Euro/Tonne CO₂
- Szenario III: 250 Euro/Tonne CO₂
Aus diesen Szenarien ergeben sich folgende Mehrkosten für die Haushalte:
Über die Untersuchung
Für die Analyse wurden auf dem Klimadashboard verschiedene Heizarten der 150 größten Städte Deutschlands untersucht. Dabei zeigten Essen, Münster, Hamm, Hagen, Mülheim an der Ruhr keine validen, vergleichbaren Daten auf, weshalb die Liste um Unna, Langenfeld (Rheinland), Euskirchen, Göppingen und Hameln ergänzt wurde. Zu den analysierten Heizarten zählen: Gas, Fernwärme, Heizöl, Wärmepumpen- und Solarthermie, Holz, Kohle und Biomasse und Biogas.
Die Untersuchung basiert auf Emissionsfaktoren, die gemäß der Anlage 9 des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) ermittelt wurden. Für die Einstufung der Gebäude in die Energieeffizienzklassen C und G orientierte sich die Analyse an den Richtlinien von der Verbraucherzentrale.
Die Berechnung der Szenarien ergibt sich aus den Annahmen und Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (Szenario I: 55 Euro/Tonne CO₂), der Uni Köln (Szenario II: 160 Euro/Tonne CO₂) und dem PIK Potsdam (Szenario III: 250 Euro/Tonne CO₂). Für das Ausgangsszenario wurde eine Wohnung von 95 Quadratmetern angenommen.
Als Beispiel wurden die Energiewerte für Energieeffizienzklasse C und G berechnet. Nach Berechnung des Jahresbedarfs an kWh / Quadratmeter wurde der Energiebedarf mit dem Emissionsfaktor des entsprechenden Energieträgers multipliziert. Die berechneten Tonnen CO₂ wurden mit den Kosten der verschiedenen Szenarien erneut multipliziert, um auf die Jahresmehrkosten zu kommen.