

Bifaziale Solarmodule versprechen mehr Strom auf gleicher Fläche. Mit bis zu 15 % Mehrertrag und einer Lebensdauer von 30–40 Jahren gehören sie zu den langlebigsten Modultypen auf dem Markt. Ob sich die Technologie für das eigene Dach lohnt, hängt von Faktoren wie dem Untergrund und der Montageart ab.
Dieser Artikel liefert konkrete Zahlen, Vergleichstabellen und eine ehrliche Einschätzung, wann bifaziale Module sinnvoll sind und wann Standard-Module die bessere Wahl bleiben.
Bifaziale Solarmodule sind Solarmodule, die sowohl von der Vorder- als auch der Rückseite Licht einfangen können. Der Begriff „bifazial" stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „zweiseitig". Während herkömmliche Module nur die direkte Sonneneinstrahlung auf der Frontseite nutzen, fängt die Rückseite eines bifazialen Moduls zusätzlich reflektiertes Licht auf der Rückseite ein.
Das Funktionsprinzip ist einfach: Die Vorderseite arbeitet wie bei jedem Solarpanel und wandelt direktes Sonnenlicht in Strom um. Die Rückseite nutzt das Licht, das vom Dach, Boden oder anderen Oberflächen zurückgeworfen wird. Wie viel Licht reflektiert wird, hängt vom sogenannten Albedo-Effekt ab: Je heller der Untergrund, desto höher die Reflexion und desto mehr Strom erzeugt die Rückseite.

Die meisten bifazialen Module sind als Glas-Glas-Solarmodule aufgebaut. Das bedeutet: Statt einer Photovoltaik Folie befindet sich eine zweite Glasschicht auf der Rückseite. Diese Bauweise schützt die Solarzellen besser vor Witterung und mechanischen Belastungen. Gleichzeitig ermöglicht das transparente Glas, dass Licht von beiden Seiten auf die Zellen trifft.
Bifaziale Solarmodule erreichen auf der Vorderseite einen Wirkungsgrad von 20–22 % und halten 30–40 Jahre. Beides liegt über dem Niveau herkömmlicher Glas-Folie-Module. Der entscheidende Unterschied: Die zusätzliche Stromerzeugung auf der Rückseite steigert den effektiven Gesamtertrag pro Fläche, während die robuste Bauweise für eine längere Lebensdauer sorgt.
Der Wirkungsgrad der Rückseite liegt bei 60–95 % im Vergleich zur Vorderseite. Dieser Wert wird als Bifazialitätsfaktor bezeichnet. Er hängt von der verwendeten Zelltechnologie ab. PERC-Zellen erreichen etwa 60–70 %, während modernere Technologien wie HJT oder TOPCon bis zu 85 % schaffen. In der Praxis bedeutet das: Wenn die Vorderseite 450 Watt erzeugt, kann die Rückseite unter optimalen Bedingungen weitere 270–430 Watt beisteuern.
Ein Beispiel: Ein bifaziales Modul mit 450 Watt Frontleistung und einem Bifazialitätsfaktor von 85 % kann auf der Rückseite theoretisch bis zu 380 Watt zusätzlich erzeugen. In der Praxis liegt der tatsächliche Mehrertrag etwas niedriger, da die Rückseite nur reflektiertes Licht empfängt und nicht die volle Sonneneinstrahlung.
Bifaziale Module verlieren pro Jahr nur etwa 0,4–0,5 % ihrer Leistung und erreichen eine Lebensdauer von 30–40 Jahren. Bei Standard-Modulen liegt die jährliche Degradation bei 0,6–0,8 %, die Lebensdauer bei 25–30 Jahren. Der Unterschied klingt gering, summiert sich aber über die Jahre erheblich.
Der Grund für die längere Haltbarkeit liegt in der Glas-Glas-Bauweise. Die doppelte Glasschicht schützt die Solarzellen besser vor Feuchtigkeit, UV-Strahlung und mechanischen Belastungen. Dadurch altern die Zellen langsamer und liefern über Jahrzehnte einen stabileren Ertrag.
Bifaziale Solarmodule liefern zwischen 5 und 15 % mehr Strom als herkömmliche Module. Dieser Mehrertrag entsteht durch die Nutzung von Reflexionsstrahlung auf der Modulrückseite. Bei einer 10-kWp-Anlage bedeutet das je nach Installation 500 bis 3.000 kWh zusätzlich pro Jahr, ohne dass mehr Dachfläche benötigt wird.
Besonders hohe Mehrerträge erzielen Hausbesitzer mit Flachdächern, Photovoltaik-Carports oder Solarterrassendächern. Hier sorgt der größere Abstand zum Untergrund dafür, dass ausreichend Licht die Rückseite erreicht. Wer zusätzlich auf einen hellen Untergrund setzt, etwa weißen Kies oder eine reflektierende Folie, kann das Maximum herausholen. Auch Solarzäune mit Ost-West-Ausrichtung nutzen den bifazialen Effekt optimal, da beide Modulseiten direktes Sonnenlicht einfangen.
Die wichtigsten Faktoren für den maximalen Mehrertrag:
Bifaziale Solarmodule kosten etwa 10–15 % mehr als herkömmliche Glas-Folie-Module. Bei einer 10-kWp-Anlage bedeutet das Mehrkosten von rund 1.000–1.500 €. Die höheren Anschaffungskosten relativieren sich jedoch durch die längere Lebensdauer und den möglichen Mehrertrag.
Die Mehrkosten von 1.000–1.500 € amortisieren sich je nach Installationsart und Untergrund in etwa 5–10 Jahren. Bei optimalen Bedingungen wie einem Flachdach mit hellem Kies kann es auch schneller gehen. Entscheidend ist der tatsächliche Mehrertrag, der die Amortisation der PV-Anlage schneller vorantreibt.
Selbst wenn der bifaziale Mehrertrag je nach Installation variiert, profitieren Hausbesitzer immer von der robusten Glas-Glas-Bauweise, der längeren Lebensdauer von 30–40 Jahren und der geringeren Degradation. Diese Vorteile machen bifaziale Module zu einer zukunftssicheren Investition.
Schon gewusst?
Bei Solarmodulen gibt es verschiedene Arten mit individuellen Vorteilen. Während monokristalline Solarzellen die effizienztesten sind, sind polykristalline Solarzellen etwas günstiger und Dünnschichtmodule besonders flexibel.
Bifaziale Solarmodule unterscheiden sich in mehreren Punkten von herkömmlichen Modulen. Neben dem offensichtlichen Vorteil der beidseitigen Stromerzeugung spielen auch Lebensdauer, Garantiebedingungen und Einsatzmöglichkeiten eine Rolle.
Die folgende Tabelle gibt einen schnellen Überblick:
Der größte Vorteil bifazialer Module liegt im Mehrertrag von 5 bis 15 %. Dieser entsteht, weil die Rückseite reflektiertes Licht vom Untergrund einfängt und in zusätzlichen Strom umwandelt. Besonders deutlich wird dieser Effekt bei Flachdächern mit hellem Untergrund, wo die Reflexion optimal genutzt werden kann. Bei einer 10-kWp-Anlage mit einem Mehrertrag von 15 % sind das rund 1.500 kWh pro Jahr zusätzlich.
Dazu kommt die längere Lebensdauer: Während Standard-Module nach 25–30 Jahren das Ende ihrer Nutzungsdauer erreichen, produzieren bifaziale Glas-Glas-Module oft 30–40 Jahre zuverlässig Strom. Das liegt an der robusten Bauweise mit zwei Glasschichten, die besser vor Feuchtigkeit und mechanischen Belastungen schützt.
Die geringere Degradation macht sich ebenfalls bemerkbar. Glas-Folie-Module verlieren etwa 0,6–0,8 % Leistung pro Jahr, bifaziale Module nur 0,4–0,5 %. Nach 25 Jahren liefert ein bifaziales Modul dadurch noch rund 87 % seiner ursprünglichen Leistung, ein Standard-Modul nur noch etwa 80–85 %.
Auch die Garantiebedingungen sprechen für bifaziale Module: Viele Hersteller geben bis zu 25 Jahre Produktgarantie und 30 Jahre Leistungsgarantie. Bei Standard-Modulen sind es meist nur 10–12 Jahre Produktgarantie und 25 Jahre Leistungsgarantie.
Die Nachteile sind überschaubar, aber wichtig für die Entscheidung: Die Mehrkosten von etwa 1.000–1.500 € bei einer 10-kWp-Anlage rechnen sich mehr, wenn der Untergrund genug Licht reflektiert. Auf einem dunklen Bitumendach, zum Beispiel, fällt der bifaziale Effekt sehr gering aus. Hier sollte daher nochmal genau nachgerechnet werden.
Außerdem sind bifaziale Module durch die doppelte Glasschicht etwas schwerer als Glas-Folie-Module. Bei älteren Dächern kann eine statische Prüfung erforderlich sein.
Bifaziale Solarmodule sind eine lohnende Investition für alle, die langfristig denken. Die Technologie vereint mehrere Vorteile: beidseitige Stromerzeugung für bis zu 15 % Mehrertrag, eine Lebensdauer von 30–40 Jahren und geringere Degradation für stabilen Ertrag über Jahrzehnte. Die Mehrkosten von 1.000–1.500 € bei einer 10-kWp-Anlage amortisieren sich in wenigen Jahren. Hinzu kommen bessere Garantiebedingungen und eine robuste Bauweise, die extremen Wetterbedingungen standhält. Wer heute in bifaziale Module investiert, setzt auf eine bewährte Technologie mit Zukunft.
Hier finden Sie heraus, ob sich eine PV-Anlage auch für Ihr Haus lohnt:
Bifaziale Module lassen sich problemlos mit allen gängigen Wechselrichtern und Stromspeichern kombinieren. Es sind keine speziellen Komponenten erforderlich. Die Technologie funktioniert mit den gleichen Wechselrichtern, Speichern und Montagesystemen wie herkömmliche Module.
Bei der Dimensionierung des Wechselrichters sollte der mögliche Mehrertrag berücksichtigt werden. Eine 10-kWp-Anlage mit 15 % bifazialem Mehrertrag kann zeitweise bis zu 11,5 kW liefern. Ein Wechselrichter mit 10–15 % mehr Leistung stellt sicher, dass dieser Mehrertrag nicht gekappt wird. Auch ein Wechselrichter, der exakt auf die Nennleistung ausgelegt ist, funktioniert einwandfrei. Der bifaziale Mehrertrag wird dann nur in seltenen Spitzenzeiten leicht begrenzt.
Beim Stromspeicher spielt der Modultyp keine Rolle. Der höhere Ertrag bifazialer Module kann jedoch ein Argument für einen etwas größeren Speicher sein: Wer mehr Strom produziert, kann auch mehr speichern und selbst nutzen.
Bifaziale Module erfordern keine spezielle Wartung und sind im Alltag genauso pflegeleicht wie herkömmliche Module. Die robuste Glas-Glas-Bauweise macht sie sogar widerstandsfähiger gegen Feuchtigkeit, Hagel und extreme Temperaturen.
Für den optimalen Ertrag sollte auch die Modulrückseite sauber bleiben. Bei aufgeständerten Anlagen ist die Rückseite gut zugänglich. Bei dachparalleler Montage auf Schrägdächern ist eine Reinigung der Rückseite kaum möglich, aber auch weniger relevant, da hier ohnehin wenig Licht die Rückseite erreicht.
In den meisten Fällen erledigt der Regen die Reinigung von selbst. Bei Flachdächern mit hellem Untergrund lohnt es sich, den Kies oder die Folie gelegentlich von Laub zu befreien, um die Reflexion zu erhalten.
Bifaziale Module haben ein besseres Schwachlichtverhalten als herkömmliche Module. Bei bewölktem Himmel oder diffusem Licht können sie auch auf der Rückseite Strom erzeugen, was den Gesamtertrag leicht erhöht.
Bifaziale Module funktionieren im Winter besonders gut. Schnee reflektiert bis zu 80 % des Lichts und sorgt so für einen hohen bifazialen Mehrertrag. Sobald die Vorderseite schneefrei ist, profitiert die Anlage von der hellen Umgebung.
Es gibt keine gesonderten Förderprogramme für bifaziale Module. Sie profitieren jedoch von allen gängigen Photovoltaik-Förderungen wie KfW-Krediten oder regionalen Zuschüssen.
Das Aufbringen von hellem Kies auf einem Flachdach kostet etwa 10–20 € pro Quadratmeter und kann den Mehrertrag um 5–10 Prozentpunkte steigern. Bei einer 10-kWp-Anlage amortisiert sich diese Maßnahme oft innerhalb weniger Jahre.