

Eine Photovoltaikanlage produziert oft mehr Strom, als im Haushalt verbraucht wird. Doch was tun mit dem Überschuss? Solarstrom verkaufen ist eine Möglichkeit, die Investition schneller zu refinanzieren und zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Ob klassische Einspeisevergütung, Direktvermarktung an der Börse oder virtuelle Strom Cloud: Jede Option hat ihre Vor- und Nachteile. Dieser Artikel zeigt, welche Variante sich für wen lohnt, mit welchen Kosten zu rechnen ist und wann der Eigenverbrauch die bessere Wahl bleibt.
Solarstrom lässt sich auf vier verschiedenen Wegen verkaufen: über die staatliche Einspeisevergütung, per Direktvermarktung an der Strombörse, über eine Strom Cloud oder als Mieterstrom an andere Hausbewohner. Welche Option die beste ist, hängt von der Anlagengröße, dem eigenen Stromverbrauch und den persönlichen Zielen ab. Die folgende Übersicht erklärt jede Variante im Detail.
Die Einspeisevergütung ist eine staatlich garantierte Vergütung für Solarstrom, der ins öffentliche Netz eingespeist wird. Sie wird ab dem Tag der Inbetriebnahme für 20 Jahre in gleicher Höhe gezahlt. Grundlage ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).
Die Höhe der Vergütung richtet sich nach der Art der Einspeisung der PV-Anlage. Es wird unterschieden zwischen Teileinspeisung (Überschuss wird eingespeist) und Volleinspeisung (gesamter Strom geht ins Netz).
Wichtig: Seit März 2025 wird bei negativen Börsenstrompreisen keine Vergütung mehr gezahlt. Das betrifft vor allem Anlagen, die nach Februar 2025 in Betrieb gegangen sind.
Bei der Direktvermarktung wird der Solarstrom nicht zum festen Vergütungssatz eingespeist, sondern an der Strombörse verkauft. Ein Direktvermarkter übernimmt dabei den Handel und zahlt die Erlöse abzüglich einer Vermarktungspauschale aus.
Zusätzlich erhalten Anlagenbetreiber eine sogenannte Marktprämie vom Netzbetreiber. Diese gleicht die Differenz zwischen dem Börsenstrompreis und der regulären Einspeisevergütung aus. Dadurch ist das finanzielle Risiko bei schwankenden Börsenpreisen begrenzt.
Die Vergütung bei Direktvermarktung setzt sich zusammen aus:
Voraussetzungen für die Direktvermarktung:
Gewusst? Bis Mai 2024 mussten auch kleine Anlagen für die Direktvermarktung fernsteuerbar sein. Die dafür nötige Technik kostete mehrere Hundert Euro und war für Hausdachanlagen oft unwirtschaftlich. Seit dem Solarpaket I entfällt diese Anforderung für Anlagen unter 25 kWp. Ein Smart Meter reicht nun aus.
Eine Strom Cloud funktioniert wie ein virtuelles Stromkonto. Überschüssiger Solarstrom wird nicht physisch gespeichert, sondern ins Netz eingespeist und auf einem Konto gutgeschrieben. Bei Bedarf kann der Strom später wieder abgerufen werden, etwa in den Wintermonaten.
Die Mitgliedschaft in einer Strom Cloud ist meist mit einem monatlichen Grundbeitrag verbunden. Je nach Tarif steht eine bestimmte Freimenge zur Verfügung oder der zurückgeholte Strom wird vergünstigt abgerechnet.
Eine Strom Cloud kann sinnvoll sein, wenn:
Mieterstrom ist ein Modell für Photovoltaik im Mehrfamilienhaus. Der Strom wird auf dem Dach des Gebäudes erzeugt und direkt an die Mieter verkauft, ohne den Umweg über das öffentliche Netz. Dadurch entfallen Netzentgelte und ein Teil der Abgaben.
Für Mieter bedeutet das günstigere Stromkosten und die Möglichkeit, von erneuerbarer Energie zu profitieren, ohne selbst eine Anlage zu besitzen. Für Vermieter oder Anlagenbetreiber entsteht eine zusätzliche Einnahmequelle. Zusätzlich gibt es einen staatlichen Mieterstromzuschlag.
Seit 2024 sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Mieterstrom deutlich einfacher geworden. Mit spezialisierten Anbietern lässt sich der Verwaltungsaufwand gut bewältigen.
Solarstrom verkaufen lohnt sich vor allem dann, wenn der produzierte Strom nicht selbst verbraucht werden kann. Die beste Option hängt von der Anlagengröße, dem Verbrauchsprofil und den individuellen Zielen ab. Die folgende Tabelle zeigt, welches Modell unter welchen Bedingungen am sinnvollsten ist.
Faustregel: Je höher der Eigenverbrauch der PV-Anlage, desto weniger relevant wird das Verkaufen. Wer den Großteil des Solarstroms selbst nutzt, profitiert stärker von der Ersparnis beim Netzstrom als von der Einspeisevergütung.
Ausnahme Volleinspeisung: Bei sehr großen Dachflächen kann es sich lohnen, zwei separate Anlagen zu installieren. Eine deckt den Eigenverbrauch, die andere speist vollständig ein und erhält die höhere Vergütung von 12,34 Ct/kWh. Voraussetzung: getrennte Zähler und Anmeldung als Volleinspeiseanlage vor Inbetriebnahme.
Selbst verbrauchter Solarstrom ist fast immer wirtschaftlicher als verkaufter. Der Grund: Der aktuelle Strompreis liegt bei rund 32 Ct/kWh, die Einspeisevergütung jedoch nur bei 7,78 Ct/kWh. Jede Kilowattstunde, die selbst genutzt statt eingespeist wird, spart also etwa 24 Ct.
Diese Differenz wird in Zukunft voraussichtlich noch größer. Während die Einspeisevergütung alle sechs Monate um 1 % sinkt, steigen die Netzstrompreise langfristig tendenziell an. Das macht den Eigenverbrauch immer attraktiver. Wer heute in eine Photovoltaikanlage investiert, sollte daher den Fokus auf möglichst hohen Eigenverbrauch legen.
Annahmen:
Variante 1: Ohne Stromspeicher (18 % Eigenverbrauch)
Variante 2: Mit 10-kWh-Stromspeicher (41 % Eigenverbrauch)
Die Rechnung zeigt: Mit Stromspeicher steigt der jährliche Vorteil um rund 557 € – trotz geringerer Einspeisevergütung. Der höhere Eigenverbrauch macht hier den klaren Unterschied!
Die richtige Strategie hängt vom Verhältnis zwischen Strompreis und Einspeisevergütung ab. Aktuell liegt der Strompreis bei etwa 32 Ct/kWh, die Einspeisevergütung jedoch nur bei 7,78 Ct/kWh. Das ergibt eine Differenz von rund 24 Ct pro Kilowattstunde zugunsten des Eigenverbrauchs.
Je größer die Differenz zwischen Strompreis und Vergütung, desto mehr lohnt sich der Eigenverbrauch. Sinkt diese Differenz in Zukunft, kann die Einspeisung wieder wirtschaftlicher werden.
Gewusst? Im Enpal Komplettpaket ist ein Stromspeicher bereits enthalten. So lässt sich der Eigenverbrauch von rund 18 % auf über 40 % steigern. Wer zusätzlich eine Wallbox oder Wärmepumpe nutzt, kann den Eigenverbrauch noch weiter erhöhen.
Beim Solarstrom verkaufen fallen neben der eigentlichen Photovoltaikanlage einige Zusatzkosten an. Die Höhe hängt davon ab, welches Verkaufsmodell gewählt wird. Während die klassische Einspeisevergütung kaum laufende Kosten verursacht, können bei Direktvermarktung oder Strom Cloud monatliche Gebühren anfallen.
Seit 2023 sind Einnahmen aus Photovoltaikanlagen bis 30 kWp auf Einfamilienhäusern von der Einkommensteuer befreit. Auch die Umsatzsteuer entfällt beim Kauf neuer Anlagen. Für größere Anlagen oder Mehrfamilienhäuser können andere Regelungen gelten.
Bei einem Netzausfall schaltet sich eine Standard-Photovoltaikanlage aus Sicherheitsgründen ab. Wer auch bei Stromausfall versorgt sein möchte, benötigt eine Notstromlösung oder einen inselfähigen Speicher.
Ein direkter Stromverkauf an Nachbarn ist rechtlich kompliziert, da der Verkäufer dann als Energieversorger gilt. Einfacher ist die gemeinsame Nutzung über ein Mieterstrom-Modell oder eine Energy Sharing Community.
Achten Sie auf transparente Vermarktungspauschalen, kurze Vertragslaufzeiten und eine einfache Anbindung. Ein Vergleich mehrerer Anbieter lohnt sich, da die Konditionen stark variieren können.
In der Regel nicht. Die höhere Vergütung bei Volleinspeisung rechnet sich vor allem bei großen Dachflächen, auf denen eine zweite Anlage installiert werden kann. Bei kleinen Dächern ist der Eigenverbrauch meist wirtschaftlicher.
Ja, ein Wechsel ist einmal jährlich möglich. Der Antrag muss vor Beginn des neuen Kalenderjahres beim Netzbetreiber gestellt werden.