
Strom wird teurer, doch nicht jeder zahlt gleich viel. Wer noch in der Grundversorgung steckt, überweist oft 40 Cent pro Kilowattstunde oder mehr. Neukunden mit dem richtigen Tarif kommen dagegen auf 23 Cent. Der Unterschied summiert sich bei einem durchschnittlichen Haushalt auf mehrere hundert Euro im Jahr. Dieser Artikel zeigt, wie ein Strompreisvergleich wirklich funktioniert, welche Fallen lauern und welche Strategie langfristig am meisten spart.
Der durchschnittliche Strompreis liegt aktuell bei etwa 23–37 Cent pro kWh. Die große Spanne erklärt sich durch die Unterschiede zwischen Bestands- und Neukunden: Wer seinen Vertrag länger nicht gewechselt hat, zahlt oft deutlich mehr als jemand, der aktiv vergleicht.
Die wichtigsten Preise im Überblick:
Ein Haushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch zahlt damit je nach Tarif rund 800–1.300 € pro Jahr. Der Unterschied zwischen teuerstem und günstigstem Tarif beträgt also bis zu 500 € jährlich.
Die Stromkosten hängen direkt vom Verbrauch ab. Ein Single-Haushalt verbraucht im Schnitt 1.500 kWh pro Jahr, eine vierköpfige Familie rund 4.500 kWh. Bei einem Strompreis von 32 Ct/kWh ergeben sich folgende Jahreskosten:
Diese Werte sind Durchschnittswerte. Haushalte mit elektrischer Warmwasserbereitung verbrauchen etwa 500–1.000 kWh mehr pro Jahr.
Gut zu wissen: Als Faustregel gelten 35–45 € Stromkosten pro Person und Monat als normal. Wer deutlich darüber liegt, sollte sowohl den eigenen Verbrauch als auch den aktuellen Tarif prüfen.
Der Strompreis setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen:
Beide zusammen ergeben die Gesamtkosten.
Je nach Verbrauch lohnt sich ein anderer Tarif. Haushalte mit sehr niedrigem Verbrauch profitieren von einem niedrigen Grundpreis. Das sind meist 1-Personen-Haushalte mit sehr niedrigem Stromverbrauch. In den allermeisten Fällen ist ein niedriger Arbeitspreis also wichtiger. Das zeigt unsere Beispielrechnung:
Das Ergebnis: Bei sehr niedrigem Verbrauch (1.000 kWh) ist Tarif A mit dem niedrigen Grundpreis günstiger. Ab etwa 1.400 kWh dreht sich das Verhältnis, und der niedrigere Arbeitspreis gewinnt. Je höher der Verbrauch, desto größer der Vorteil. Bei 6.000 kWh, wie es typisch für einen Haushalt mit Wärmepumpe ist, beträgt die Ersparnis bereits 276 € pro Jahr.
Der Break-Even-Punkt ist in diesem Fall der Stromverbrauch zu dem sich der Stromtarif mit dem niedrigen Arbeitspreis lohnt. Er wird mit folgender Formel berechnet:
Break-Even = (Grundpreis B – Grundpreis A) ÷ (Arbeitspreis A – Arbeitspreis B)
Mit den Zahlen von oben:
Das bedeutet: Ab einem Verbrauch von 1.400 kWh pro Jahr lohnt sich der Tarif mit höherem Grundpreis und niedrigerem Arbeitspreis. Da selbst ein Single-Haushalt oft 1.500 kWh verbraucht, ist der niedrige Arbeitspreis für die meisten Haushalte die bessere Wahl.
Lockangebote erkennt man oft daran, dass der Preis im ersten Jahr durch hohe Boni oder Rabatte künstlich niedrig gehalten wird. Ab dem zweiten Jahr steigt der Preis dann oft deutlich an.
Das Problem: Viele Vergleichsportale zeigen standardmäßig nur die Kosten für das erste Jahr. Wer nicht genau hinschaut, zahlt am Ende mehr als bei einem ehrlichen Tarif ohne Bonus. Die Tabelle zeigt die häufigsten Warnsignale für Strompreisvergleiche:
Gut zu wissen: Die Verbraucherzentrale empfiehlt, bei Stromtarifen auf kurze Laufzeiten (maximal 12 Monate), kurze Kündigungsfristen (maximal 4 Wochen) und eine echte Preisgarantie zu achten. Hohe Boni sollten misstrauisch machen. Seit März 2022 gilt zudem: Die Kündigungsfrist darf nach Ablauf der Vertragslaufzeit höchstens einen Monat betragen.
Ein Locktarif rechnet sich über 24 Monate oft schlechter als ein Tarif ohne Bonus. Der Grund: Der niedrige Einstiegspreis wird durch höhere Kosten im zweiten Jahr wieder aufgefressen. Die folgende Beispielrechnung zeigt den Unterschied für einen Haushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch.
Das Ergebnis: Der Locktarif kostet über 24 Monate 12 € mehr als der Fairtarif. Der vermeintliche Vorteil von 246 € im ersten Jahr wird durch die höheren Kosten im zweiten Jahr komplett aufgezehrt.
Wer Stromtarife über ein Vergleichsportal sucht, sollte das vor allem über seriöse Plattformen wie Check24 oder Verivox tun. Mit den richtigen Filtereinstellungen lassen sich dort gute Vergleiche ziehen. Wir empfehlen:
Meistens ist es auch hilfreich, mehrere Vergleichsportale zu nutzen, weil nicht jedes Portal alle Anbieter listet.
Strompreise vergleichen und den Stromanbieter wechseln sollte man immer dann, wenn die potenzielle Ersparnis den Aufwand rechtfertigt. Ein jährlicher Wechsel lohnt sich nur für Kunden, die aktiv Boni mitnehmen wollen. Für alle anderen reicht ein Wechsel alle zwei bis drei Jahre oder bei konkreten Anlässen wie Preiserhöhungen. Für alle gilt: Nie in der Grundversorgung bleiben.
Ein Anbieterwechsel kostet etwa 20–30 Minuten aktive Zeit. Der eigentliche Wechselprozess läuft automatisch, der neue Anbieter übernimmt die Kündigung beim alten Versorger. Der Zeitaufwand entsteht vor allem beim Vergleichen und Abschließen.
Wer noch keinen günstigen Stromtarif hat, verschenkt jeden Monat Geld. Ein Wechsel dauert nur 30 Minuten und spart bei einem durchschnittlichen Haushalt mehrere hundert Euro im Jahr. Hier können Sie ihr Sparpotenzial berechnen: