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Die Brandgefahr von PV-Anlagen
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Die Brandgefahr von PV-Anlagen

In der Presse und im Rundfunk wir immer wieder von einer Brandgefahr durch Photovoltaik­anlagen gesprochen.

Dabei ist oft die Rede von brand­verursachenden „Selbst­entzündungen“, von austretenden giftigen Gasen oder von der Behinderung notwendiger Löscharbeiten durch Module auf dem Dach.

Wie glaubwürdig sind die Berichte?

Unter Leitung des TÜV Rheinland hatte sich 2011 eine hochkarätige Arbeitsgruppe gebildet, die in einem groß angelegten Forschungsprojekt bis 2014 verschiedene Aspekte der Problematik im Zusammenhang mit Solaranlagen und Bränden untersuchte.

Mitglieder der Arbeitsgruppe waren das Bundesumweltministerium BMUB, das Fraunhofer Institut für solare Energiesysteme ISE, die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie DGS, die Branddirektion München und viel weitere wesentliche Mitspieler auf dem Gebiet der Solarenergie.

Wie sich bei investigativer Recherche durch die Arbeitsgruppe PV-Brandsicherheit zeigte, war die Zuverlässigkeit mancher Berichte als höchst kritisch einzuschätzen. Oft wurde die Brandursache falsch festgelegt oder es wurde aus Unwissendheit nicht richtig gelöscht.

Hier ein Beispiel:

Stromschlag in Rösrath

Am 20. Januar 2009 erlitt ein Feuerwehrmann bei Löscharbeiten an einem brennenden Haus in Rösrath bei Köln einen Stromschlag, der ihn schwer verletzte.

In der Folge wurde auch von seriösen Quellen berichtet, dieser Stromschlag sei auf eine Photovoltaik-Installation zurückzuführen – z.b. hier, im SWR.

Die vom TÜV Rheinland geführte Arbeitsgruppe PV-Brandsicherheit, die auch diesen Fall minutiös untersuchte, hatte allerdings eine Überraschung parat:

Das Haus in Rösrath verfügte nachweislich nicht einmal über eine Photovoltaikanlage.

PV-Bauherren sollten sich also nicht verunsichern lassen - die Brandgefahr bei Photovoltaik ist geringer als befürchtet. Brände im Zusammenhang mit Solar-Installationen sind äußerst seltene Einzelereignisse und lassen sich durch das richtige Löschprotokoll schnell und einfach von der Feuerwehr bekämpfen.

Auch interessant: 13 Mythen über Solarenergie, die sich hartnäckig halten

Das Szenario: Photovoltaik-Anlagen bei Bränden

Abseits spektakulärer Berichte sind folgende Aspekte im Zusammenhang von Solarmodulen und Feuern zu beachten:

Erstes vorweg: Kein Solardach fängt aus heiterem Himmel an zu brennen. Ursache der sogenannten „Selbstentzündung“ ist in fast allen Fällen beschädigtes Material oder dessen fehlerhafte Handhabung.

Die Schäden an Modulen oder Kabeln können herstellerseitig zu verantworten sein, welche auf Montagefehler zurückzuführen sind (wie lockere Steckverbindungen oder freischwingende Kabel, die z. B. durch den Wind bewegt und beschädigt werden) oder auf schädigende äußere Einflüsse (wie z. B. Tierverbiss, spielende Kinder oder Vandalismus).

Fehlerhaft ausgelieferte Module und Verbindungen sind bei Anlagen, die den in Deutschland geltenden Richtlinien und Installationsstandards entsprechen so gut wie ausgeschlossen.

Sofern die elektrische Leitung erst einmal offen liegt, können Kurzschlüsse via Funkenflug entstehen. Ist der Stromfluss sogar unterbrochen, ist unter Umständen die Bildung von Lichtbögen möglich, die eine Hitze von bis zu 5.000° C entwickeln. Bei haushaltsüblichem Wechselstrom werden solche Lichtbögen sehr schnell durch die Umkehr der Fließrichtung des Stroms unterbrochen. Bei Gleichstrom von PV-Anlagen hingegen können die Lichtbögen bis zu mehrere Stunden lang aufrecht erhalten werden. Sowohl durch den Zündfunken als auch durch den Lichtbögen können brennbare Teile der Anlage in Brand geraten.

Dies ist allerdings ein „Worst Case Szenario“. Ein Lichtbogen entsteht nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen und ist daher in Praxis kaum anzutreffen. Der BSW weist zudem darauf hin, dass hochqualitative Installationen heutzutage darauf ausgelegt sind, selbst bei der Entstehung von Lichtbögen keinen Brand auszulösen.

Fazit: Photovoltaikanlagen, die nicht ausreichend geplant oder in der Eile der Montage nicht akkurat verlegt, verbunden, verkabelt und gesichert sind, können die Entstehung von Bränden begünstigen. Im Umkehrschluss lässt sich sagen, dass bei sachgemäßer Installation und Sicherung des Solardaches (Sicherung auch gegen Wildverbiss und Vandalismus) die Wahrscheinlichkeit von „Selbstentzündungen“ als Brandursache gegen Null geht.

Weiteres zur Brandbekämpfung

Beim Brand setzen die Kunststoff-Rahmen und Kabelisolierungen Zyanid- und andere Gase frei. Zudem können die Module splittern. Einsatzkräfte der Feuerwehren kennen sich jedoch mit beiden Gefährdungen sehr gut aus.

Ist die Unterkonstruktion der Solarmodule durch ein Feuer angegriffen, können die Module unter Umständen vom Dach abrutschen. Feuerwehrleute müssen hier auf hinreichenden Abstand zu den möglichen Absturzflächen achten und ggf. die Gefährdungsbereiche absperren.

Um die Anlage zu sichern und abzuschalten, sind außerdem Elektrofachkräfte vor Ort erforderlich.

Eine Gefährdung der Einsatzkräfte durch die Photovoltaikanlage bei Löscharbeiten in der Nacht besteht zudem nicht, da die Solarstromproduktion nicht bereits bei Mondlicht oder dem Scheinwerferlicht der Feuerwehr einsetzt. Somit stehen die Module nicht unter Spannung.

Neben der Beschilderung und ggf. einer Abschaltlösung außen am Haus können PV-Betreiber beim Kauf darauf bestehen, dass ihre Module durch ein anerkanntes Prüfinstitut (wie z. B. dem TÜV Rheinland) nach EN IEC 61215/61646 und EN IEC 61730 geprüft und zugelassen wurden.

Des Weiteren ist ein Wartungsvertrag mit dem installierenden Solarteur zu empfehlen – er prüft Module, Solarkabel und Anschlusskästen regelmäßig im Abstand von 1 bis 4 Jahren und beseitigt Mängel und potenzielle Gefahren.

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